Italia quiere examinar las solicitudes de asilo en suelo albanés

Italia quiere tramitar algunos procedimientos de asilo en Albania. Bruselas no tiene nada en contra, otros Estados de la UE observan con interés y los críticos ven el proyecto como un "Guantánamo italiano".

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Shengjin/Gjader - Höher als der Metallzaun sind nur die Masten mit Überwachungskameras und der Berg Kakarriqi. Tausende Blicke dürften diese schroffen, spärlich mit mediterranem Gebüsch bewachsenen Hänge bald sehnsüchtig abtasten, über den eisgrauen, fünfmal mannshohen Zaun hinweg. In diesem strengstens bewachten Lager Gjader im Norden Albaniens herrscht italienisches Recht, das sieht man auch den Fahrzeugen auf dem Gelände an: Polizia. Oder den Uniformen, auf denen Carabinieri geschrieben steht. In Gjader sollen demnächst Männer gefangen gehalten werden, die ein ganz anderes Ziel ansteuern. 

Italiens Behörden wollen Bootsflüchtlinge hierher bringen, die sie im Mittelmeer an Bord ihrer Schiffe nehmen. Sollte trotz der Sicherheitsvorkehrungen ein Migrant aus diesem Lager entfliehen und von Albaniens Polizei gestellt werden, soll diese ihn den Italienern zurückbringen. Auch das sieht der Deal zwischen Rom und Tirana vor. In Italien wurden bis April 2024 gut 16.000 Flüchtlinge registriert – deutlich weniger als in den Vorjahren. 

Grafik: Flucht über das Mittelmeer

Die Vereinbarung soll vielen Migranten den angestrebten direkten Weg übers Mittelmeer in die EU verwehren, sie über die Außengrenze umleiten. Albanien ist Beitrittskandidat, aber längst kein EU-Mitglied. Hier will Rom - exterritorial - die Asylanträge prüfen. Dieses Prozedere ist eine Premiere, die auch von anderen EU-Staaten mit wohlwollender Neugier beobachtet wird. Es soll helfen, den Druck auf die Migrantenzentren in Italien abzubauen, über den viele seit Jahren klagen. Dazu hatten Italien und Albanien im vergangenen Jahr ein Abkommen geschlossen, das von den Parlamenten beider Länder ratifiziert wurde. Rom trägt dafür alle «direkten und indirekten» Kosten. Eingeplant sind insgesamt etwa 670 Millionen Euro.

Deal von Pragmatiker Rama und Rechtspolitikerin Meloni

Albaniens sozialdemokratischer Ministerpräsident Edi Rama hat sich auf die Vereinbarung mit seiner rechten italienischen Amtskollegin Giorgia Meloni geeinigt - und damit auch eigene Regierungsmitglieder überrumpelt. Kritiker im Land werfen ihm dabei mangelnde Transparenz vor. Rama gilt als Pragmatiker und kennt keine ideologischen Barrieren. Im Januar dieses Jahres etwa war er Gast der traditionellen Fraktionsklausur der deutschen Christsozialen (CSU) in Kloster Banz. Sein Gesprächsthema dort mit CSU-Chef Markus Söder: Migration.

Nach dem Willen von Meloni hätte das Lager Gjader schon im Mai dieses Jahres betriebsbereit sein sollen. Mehrfach musste der Termin aufgeschoben werden. Bei einem Besuch in Albanien kündigte Meloni zuletzt den 1. August als neuen Termin an. Doch wenige Tage davor hieß es, dass technische Probleme das vom Verteidigungsministerium in Rom koordinierte Bauprojekt weiter verzögerten. Der Boden auf dem früheren Flugplatz der albanischen Armee sei so brüchig, dass man ihn erst einmal konsolidieren musste. Und dann kam auch noch die brutale Sommerhitze, sodass die Bauarbeiter geschont und nicht mehr ganztägig eingesetzt werden konnten.

Auf dem kiesigen Gelände stapeln sich Fertigteile für die hellgrauen Metallbaracken, in denen die Insassen schlafen und sich waschen sollen. Davon sind etwa die Hälfte fertig. Die geplante Kantine existiert noch nicht. Es sind 35 Grad im Schatten, den an diesem Mittag auch die Bagger werfen. Daneben halten einige Bauarbeiter ihre Siesta. Derweil führt Italiens Botschafter Fabrizio Bucci schwitzend einige Journalisten durch die halbfertige Anlage ohne Schattenspender, in der bereits viele Polizisten finster um sich blicken. 

Der Diplomat hat eine widersprüchliche Aufgabe. Einerseits will er zeigen, wie human sein Land mit den Flüchtlingen und Migranten umgehen werde. Gleichzeitig erhofft sich Rom auch eine abschreckende Wirkung dieser Lager auf Menschen, die nach Europa wollen. 

Enge Schlafcontainer für 3.000 Männer

Platzangst sollte niemand haben, der in einem der Container von Gjader schlafen muss. Jeweils vier Männer sollen sich einen nur 15 Quadratmeter kleinen Raum teilen. Immerhin sind an jedem Container Klimaanlagen montiert. In den Dusch-Baracken gibt es Haartrockner. Ein separater Raum für Inhaftierungen ist auch vorgesehen, für den Fall, dass ein Insasse einen anderen angreift. Bis zu 3.000 Männer gleichzeitig sollen in dem Lager unterkommen können - kontrolliert und betreut von 100 Italienern: Carabinieri und Staatspolizisten, außerdem Justizbeamte, Ärzte und Pfleger. Von hier aus sollen sie während ihrer Asylverfahren mit den italienischen Behörden und mit ihren Rechtsanwälten kommunizieren, die teils aus Italien anreisen, teils per Video zugeschaltet mit ihnen in Kontakt treten. Binnen eines Jahres können etwa 36.000 Menschen nacheinander in diesem Lager leben, so der Plan.

«Alles, was wir hier machen, ist kompatibel mit der europäischen Gesetzgebung», beteuert Botschafter Bucci. «Sogar die albanischen Gesetze sind schon auf europäischem Niveau und auch mit den italienischen kompatibel. Wir wenden hier dieselben Gesetze an, wie in den Lagern in Italien.» Die EU-Kommission betonte, dass sie die Situation aufmerksam verfolge und in Kontakt mit den italienischen Behörden bleibe. «Generell ist es möglich, dass die EU und die Mitgliedstaaten bei der Steuerung der Migration mit Ländern außerhalb der EU zusammenarbeiten. Wichtig ist, dass dabei das EU-Recht und das Völkerrecht in vollem Umfang beachtet werden», sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde der dpa.

Abgewiesene Asylantragsteller will Rom nach maximal 18 Monaten Aufenthalt in Gjader in ihre Heimatländer abschieben. Was aber geschieht, wenn diese sie nicht zurücknehmen wollen? Hier habe man vorgesorgt, erläutert Botschafter Bucci: Bereits auf den Schiffen der italienischen Behörden würden die Migranten sortiert. Nur diejenigen, die aus Ländern kommen, in die man sie aufgrund bilateraler Abkommen auch wieder abschieben kann, werden nach Gjader gebracht. Die Übrigen kommen nach Italien.

Familien sollen zusammenbleiben

Auf diesen Schiffen wird über die Migranten auch nach einem weiteren Kriterium entschieden, erklärt Evandro Clementucci, Offizier der italienischen Staatspolizei: Gesundheitlich sehr fragile Männer sowie Frauen und Kinder samt ihren Ehemännern kommen nicht nach Albanien. Familien sollen nicht auseinandergerissen werden. Sie werden direkt nach Italien gebracht. Den verbliebenen Männern wird auf den Schiffen eine vorläufige Identität zugeschrieben, dokumentiert durch ein Armband, das ihnen angelegt wird. Damit gehen sie im albanischen Adria-Hafen Shengjin an Land, wenige Kilometer vom Lager Gjader entfernt. Albaner und ausländische Touristen lieben Shengjin, weil man dort herrlich baden kann.

Clementucci leitet das Zentrum für die erste Aufnahme in Shengjin mit gut 60 Mitarbeitern, das ebenfalls mit Zäunen abgeschirmt und von Polizisten bewacht wird. Hier wartet ein streng vorgegebenes Prozedere auf die Ankömmlinge: duschen, ärztliche Untersuchung, erstes Gespräch mit Beamten, die bereits die Fluchtmotive vorläufig einschätzen sollen: politisch oder wirtschaftlich. Danach geht es noch am selben Tag weiter nach Gjader. Es gebe ein beschleunigtes Asylverfahren zur Klärung des Status der Menschen und bei «positivem Befund» würden sie dann nach Italien gebracht.

Menschenrechtler kritisieren das Projekt

Das Projekt ist auch in Italien umstritten. Die Opposition in Rom zweifelt etwa die Rechtmäßigkeit des italienisch-albanischen Pakts an und sprach von einem «italienischen Guantánamo». Italien ist eines der Länder, die von der Fluchtbewegung aus Afrika nach Europa übers Mittelmeer besonders betroffen sind. Vergangenes Jahr kamen nach offiziellen Zahlen mehr als 150.000 an Italiens Küsten an. Meloni war 2022 mit dem Versprechen ins Amt gegangen, die Ankünfte deutlich zu senken, sah sich angesichts der hohen Zahlen jedoch in Erklärungsnot und schmiedete verschiedenste Abkommen zur Eindämmung der Migration.

Die Zentren in Albanien sind ausdrücklich nicht für Migranten vorgesehen, die per Boot an italienischen Küsten ankommen oder von privaten Hilfsorganisationen gebracht werden - sondern nur für jene, die von den italienischen Behörden in internationalen Gewässern an Bord genommen werden. 

Diese Eingrenzung auf internationale Gewässer bedeutet nach Einschätzung von Amnesty International, dass es sich vor allem um Bootsflüchtlinge handle, die nahe der afrikanischen Küste auf die italienischen Schiffe kommen. Die Menschenrechtsorganisation hat das Wohl der Menschen im Blick, die oft tagelang in seeuntauglichen Booten auf dem Meer unterwegs sind, in der prallen Sonne, ohne große Vorräte. Diesen erschöpften und womöglich kranken und traumatisierten Menschen werde eine viel zu lange Schifffahrt bis nach Albanien zugemutet, statt sie zügig zur nächsten italienischen Insel zu bringen.

Shengjin/Gjader, Albania - Lo único más alto que la valla metálica son los mástiles con cámaras de vigilancia y el monte Kakarriqi. Pronto, miles de ojos otearán con anhelo estas escarpadas laderas, cubiertas de matorrales mediterráneos, por encima de la valla gris hielo que mide cinco veces la altura de un hombre.

La ley italiana impera en este campo de Gjader, en el norte de Albania, fuertemente vigilado, y eso se nota en los vehículos que hay en el lugar: Polizia. O en los uniformes con la inscripción Carabinieri. Los hombres que se dirigen a un destino completamente distinto pronto serán detenidos en Gjader.

Las autoridades italianas quieren traer aquí a los balseros para embarcarlos en sus buques en el Mediterráneo. Si, a pesar de las precauciones de seguridad, un migrante escapa de este campo y es capturado por la policía albanesa, debe ser devuelto a los italianos. El acuerdo entre Roma y Tirana también lo prevé.

Hasta abril de 2024 se habían registrado en Italia unos 16.000 refugiados, una cifra significativamente inferior a la de años anteriores.

Grafik: Flucht über das Mittelmeer

El acuerdo pretende evitar que muchos migrantes tomen la ruta directa a través del Mediterráneo hacia la UE, desviándolos por la frontera exterior.

Albania es país candidato, pero no miembro de la UE. Roma quiere examinar las solicitudes de asilo aquí, extraterritorialmente. Este procedimiento es una primicia que también observan con benévola curiosidad otros Estados de la UE.

Con él se pretende aliviar la presión sobre los centros de inmigrantes en Italia, de la que muchos se quejan desde hace años. Para ello, Italia y Albania celebraron el año pasado un acuerdo que fue ratificado por los parlamentos de ambos países.

Roma correrá con todos los gastos "directos e indirectos". Se ha presupuestado un total de unos 670 millones de euros.

Acuerdo del pragmático Rama y la derechista Meloni

El primer ministro socialdemócrata albanés, Edi Rama, ha llegado a un acuerdo con su homóloga italiana de derechas, Giorgia Meloni, tomando por sorpresa a los miembros de su propio gobierno. Los críticos del país le acusan de falta de transparencia.

Rama está considerado un pragmático y no conoce barreras ideológicas. En enero de este año, por ejemplo, fue invitado a la tradicional reunión del grupo parlamentario de los socialcristianos alemanes (CSU) en Kloster Banz. Su tema de debate allí con el líder de la CSU, Markus Söder: la migración.

Según Meloni, el campo de Gjader debería haber estado listo para funcionar en mayo de este año. La fecha tuvo que aplazarse varias veces. Durante una visita a Albania, Meloni anunció por última vez la nueva fecha del 1 de agosto.

Sin embargo, unos días antes se anunció que problemas técnicos retrasaban aún más el proyecto de construcción coordinado por el ministerio de Defensa en Roma. El terreno del antiguo aeródromo del ejército albanés era tan quebradizo que primero hubo que consolidarlo. Y luego estaba el brutal calor del verano, que obligaba a escatimar esfuerzos a los obreros de la construcción, que ya no podían estar desplegados todo el día.

Las piezas prefabricadas de los barracones de metal gris claro en los que dormirán y se asearán los reclusos se amontonan en el terreno de grava. Aproximadamente la mitad están terminadas. El comedor previsto aún no existe.

Hace 35 grados a la sombra, que también proyectan las excavadoras al mediodía. Algunos obreros duermen la siesta. Mientras tanto, el embajador de Italia, Fabrizio Bucci, sudoroso, conduce a unos cuantos periodistas por el complejo a medio terminar y sin sombra, donde muchos policías ya fruncen el ceño.

El diplomático tiene una tarea contradictoria. Por un lado, quiere mostrar la humanidad con la que su país tratará a los refugiados y migrantes. Al mismo tiempo, Roma también espera que estos campamentos tengan un efecto disuasorio sobre las personas que quieren viajar a Europa.

Apiñados contenedores para 3.000 personas

Nadie que tenga que dormir en uno de los contenedores de Gjader debe sentir claustrofobia. Cuatro hombres a la vez tienen que compartir una habitación de apenas 15 metros cuadrados. Al menos, cada contenedor está equipado con aire acondicionado. Hay secadores de pelo en las duchas de los barracones. También hay una habitación separada para los detenidos por si un recluso ataca a otro.

En el campamento se alojarán hasta 3.000 hombres al mismo tiempo, controlados y supervisados por 100 italianos: carabineros y policías estatales, así como funcionarios judiciales, médicos y cuidadores. Desde aquí, podrán comunicarse con las autoridades italianas y sus abogados durante sus procedimientos de asilo, algunos de los cuales viajarán desde Italia y otros estarán en contacto con ellos por videoconferencia.

Según el plan, unas 36.000 personas podrán vivir en este campamento en el plazo de un año.

"Todo lo que hacemos aquí es compatible con la legislación europea", asegura el embajador Bucci. "Incluso las leyes albanesas están ya a nivel europeo y son también compatibles con las leyes italianas. Aplicamos las mismas leyes aquí que en los campos de Italia".

La Comisión de la UE subraya que sigue de cerca la situación y permanece en contacto con las autoridades italianas. "En general, es posible que la UE y los Estados miembros colaboren con países de fuera de la UE para gestionar la migración. Es importante que la legislación de la UE y el derecho internacional se respeten plenamente", dijo a dpa un portavoz de la autoridad de Bruselas.

Roma quiere deportar a sus países de origen a los solicitantes de asilo rechazados tras una estancia máxima de 18 meses en Gjader. Pero, ¿qué ocurre si no quieren acogerlos de nuevo? El embajador Bucci explica que se han tomado precauciones: los inmigrantes ya están clasificados en los barcos de las autoridades italianas. Sólo los que proceden de países a los que pueden ser deportados en virtud de acuerdos bilaterales son llevados a Gjader. Los demás son enviados a Italia.

Las familias deben permanecer unidas

Evandro Clementucci, oficial de la policía estatal italiana, explica que los migrantes de estos barcos también se deciden en función de otro criterio: los hombres con una salud muy frágil, así como las mujeres y los niños y sus maridos, no son enviados a Albania. No hay que separar a las familias. Se les lleva directamente a Italia.

A los hombres que quedan se les da una identidad temporal en los barcos, documentada por un brazalete que se les pone. Luego desembarcan en el puerto albanés de Shengjin, en el Adriático, a pocos kilómetros del campo de Gjader. Los albaneses y los turistas extranjeros adoran Shengjin porque es un lugar estupendo para nadar.

Clementucci dirige el primer centro de acogida de Shengjin, con unos 60 empleados, que además está vallado y vigilado por agentes de policía.

A los recién llegados les espera aquí un procedimiento estricto: una ducha, un reconocimiento médico, una primera entrevista con funcionarios a los que se pide que hagan una evaluación preliminar de sus motivos para huir: políticos o económicos. El mismo día continúan hacia Gjader. Hay un procedimiento acelerado de asilo para aclarar la situación de las personas y, si los resultados son "positivos", se les traslada a Italia.

Activistas de derechos humanos critican el proyecto

El proyecto también es controvertido en Italia. La oposición en Roma, por ejemplo, duda de la legalidad del pacto italo-albanés y ha hablado de un "Guantánamo italiano".

Italia es uno de los países especialmente afectados por el movimiento de refugiados de África a Europa a través del Mediterráneo. Según cifras oficiales, más de 150.000 llegaron a las costas italianas el año pasado.

Meloni asumió el cargo en 2022 con la promesa de reducir significativamente las llegadas, pero se vio en la necesidad de dar explicaciones ante las elevadas cifras y forjó varios acuerdos para frenar la migración.

Los centros de Albania no están destinados explícitamente a los migrantes que llegan en barco a las costas italianas o son llevados por organizaciones de ayuda privadas, sino sólo a los que son embarcados por las autoridades italianas en aguas internacionales.

Según Amnistía Internacional, esta restricción a las aguas internacionales significa que son principalmente los refugiados de las pateras los que son llevados a bordo de barcos italianos cerca de la costa africana. A la organización de derechos humanos le preocupa el bienestar de las personas que a menudo pasan días en el mar en embarcaciones no aptas para navegar, bajo un sol abrasador y sin apenas provisiones. Se espera que estas personas agotadas y posiblemente enfermas y traumatizadas soporten un viaje demasiado largo en barco hasta Albania, en lugar de llevarlas rápidamente a la isla italiana más cercana.