Wie gut ist Europa auf Drohnenangriffe vorbereitet?
Experten schätzen als sehr wahrscheinlich ein, dass Russland eine konzertierte Kampagne mit Drohnen gegen Europa führt. Dem zu begegnen, sei nicht einfach.
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München/London - Eine Studie des Londoner International Institutes for Strategic Studies (IISS), an der auch die Hanns-Seidel-Stiftung aus Deutschland beteiligt war, stellt Europa kein gutes Zeugnis bei der Bekämpfung russischer Drohnenangriffe aus. Die europäischen Staaten seien derzeit nicht einmal in der Lage, die Angriffe durch Drohnen - etwa auf Flughäfen oder auch sensible Militäreinrichtungen - eindeutig Russland zuzuordnen, heißt es in dem Papier der Londoner Denkfabrik. Es sei jedoch «sehr wahrscheinlich», dass Russland eine Kampagne gegen Europa gestartet habe. Die Studie wurde im Juli veröffentlicht; die Hanns-Seidel-Stiftung machte angesichts des Drohnen-Vorfalls in Leipzig nun erneut darauf aufmerksam.
Auf dem Flughafen Leipzig/Halle wurde Anfang August in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne entdeckt. Zudem war ein Flugzeug mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt kollidiert - möglicherweise einer zweiten Drohne. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.
Drohnen-Abwehr noch nicht auf der Höhe
«Unser wesentliches Urteil ist, dass Europas derzeitige Anti-Drohnen-Architektur noch nicht auf der Höhe der Bedrohung ist, obwohl die Nato, die EU und die nationalen Regierungen inzwischen dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken», schreiben die Autoren der Studie. Die Behörden seien gespalten, die Optionen, die als Antwort auf Angriffe zur Verfügung stünden, nicht ausreichend. In den Ländern werde zu stark national gedacht, statt über ganz Europa die Punkte zusammenzuführen, kritisierten die Wissenschaftler.
«Es ist alarmierend: Europa ist auf diese Form hybrider Bedrohung bislang nicht ausreichend vorbereitet», sagte der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung Klaus Holetschek. Insgesamt seien 144 Fälle zwischen August 2024 und Februar 2026 in zwölf Nato-Staaten sowie in Irland untersucht worden.